WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen – Pressemitteilung

Das, was heute an zahlreichen Orten in Deutschland geschehen ist, war leider absehbar. In Berlin flogen Steine aus einer Israelhass-Demo auf Polizisten, in Hannover mussten Wasserwerfer eingesetzt werden, um ein Übergreifen von Judenhassern auf eine Pro-Israel-Demonstration zu unterbinden. Wir Jüdinnen und Juden erleben gerade eine Welle des Hasses, wie seit langem nicht mehr. Israel-Flaggen werden vor Synagogen verbrannt, unsere G‘tteshäuser mit Steinen beworfen und tobende Mobs, mit augenscheinlich größtenteils muslimischen TeilnehmerInnen, skandieren auf deutschen Straßen z.B. wieder Parolen, wie “Scheißjude”. Dazu eine maßlos aggressive Stimmung gegen Jüdinnen und Juden sowie Israel in den sozialen Medien.

Das Recht auf Versammlungsfreiheit ist ein hohes grundgesetzliches Gut. Es wird jedoch missbraucht, wenn, statt politischem Protest, purer Judenhass auf unsere Straßen getragen wird. Es ist nicht hinnehmbar, dass wir Jüdinnen und Juden in unserer Sicherheit gefährdet werden und in Angst leben müssen; es ist nicht hinnehmbar, dass wir Dinge hören müssen, die während der Shoah zur systematischen Vernichtung der europäischen Juden führten.

Und es ist nicht hinnehmbar, dass diese Schandtaten auch von Personen betrieben werden, die selbst schutzsuchend aus mehrheitlich muslimischen Ländern zu uns gekommen sind oder auch von denen, die mit einer familiären Migrationsgeschichte antisemitische Ressentiments nicht überwinden konnten. Sie tragen häufig massiv anti-israelische Bilder in sich, die oft viel weitergehen, als es legitime Kritik an israelischer Politik zulassen würde. Die Essenz ist, dass es meist antisemitische Haltungen sind. Auch verweisen wir darauf, dass auf den Demonstrationen teilweise die antisemitische, rechtsextreme und in Deutschland operierende Organisation die türkischen Grauen Wölfe, sowie die in der EU als Terrororganisation gelistete PFLP mit ihren Vorfeldorganisationen vertreten waren.

Das zeigt, dass wir neben dem Judenhass der deutschstämmigen Rechtsextremen und antisemitischen Bildern in der Mitte der Gesellschaft eine große Aufgabe in der muslimischen und migrantischen Community haben. Integration und die Achtung des Grundgesetzes bedeuten auch, sich von erlernten und anerzogenen antisemitischen Haltungen zu lösen und zu einem gemeinsamen Miteinander zu finden.

Dazu unser Vorsitzender Dr. Elio Adler: “Wer glaubt, diese Marschierenden hätten ‘nur’ einen Hass auf Jüdinnen und Juden, ist völlig naiv. Diese Leute verachten unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft mit ihrer bunten Vielfalt genauso. Daher sollte es im ureigensten Interesse der Mehrheitsgesellschaft sein, sich ihnen unmissverständlich entgegenzustellen.”